Sich selbst genug sein

Das heißt nicht, dass man alleine sein muss, aber dass man alleine sein kann. Und dabei zufrieden. Weil man seine Ansprüche an sich und an das Leben selber erfüllt. Weil man niemanden braucht der das übernimmt. Meine Mama sagte vor einiger Zeit zu mir (so ungefähr): Wenn du von anderen Menschen erwartest dein Leben für dich so zu gestalten, dass du zufrieden bist, deine Unzufriedenheiten auszugleichen und dafür zu sorgen dass du dich magst, wirst du mit niemandem glücklich. Das musst du selber tun. Bevor dir jemand anders genug ist, musst du dir zuerst selber genug sein.
Ich habe lange darüber nachgedacht. Dass sie Recht hat wusste ich gleich. Das ist doch das allergrößte Glück, egal wo man ist und in welcher Situation man steckt, zu sich selbst kommen zu können und sicher und zufrieden zu sein. Wer sein Leben aus den Händen gibt wird nie zufrieden. Das können andere vielleicht ganz kurzfristig übernehmen, aber auch nur dann, wenn sie exakt dieselben Vorstellungen haben wie man selber. Wie oft kommt das wohl vor? Vielleicht bildet man sich manchmal auch ein man könnte die Vorstellungen des anderen übernehmen oder integrieren. Irgendwann merkt man aber, dass man sich nicht mehr treu ist und das tut auch weh. Ich sage nicht, dass man zusammen deswegen nicht glücklich werden kann. Nur mit sich selber nicht. Man muss sich eben selbst genug sein um sich nicht von anderen enttäuscht zu fühlen.
Ich denke das schaffen die wenigsten von uns. Es wäre doch so schön. Also habe ich eine Mission. Wie wird man genug? Erster Schritt: Verinnerliche, dass du nicht perfekt sein musst. Aber alle anderen auch nicht.

Advertisements

Du bist wichtig

Vor kurzem hatte ich ein Seminar zum Thema Biographiearbeit, für das ich einige Vorbereitungstexte lesen musste. Besonders bewegt hat mich eine Passage aus dem Buch Methoden der Biographiearbeit von Hans Georg Ruhe:

„Menschen müssen sich ihrer selbst vergewissern, müssen einen Platz finden, der eine Begründung für ihre Vergangenheit und eine Legitimation für ihre Zukunft hergibt. Dort, wo dies immer weniger gelingt, sind „Hebammen“ notwendig, d.h. Helferinnen und Helfer, die deutlich machen: „Du wirst gebraucht mit deinen kleinen Erfahrungen und deinem großen Schicksal. Du bist wichtig, weil du das Leben anderer mit deinem Leben kontrastierst, weil dein Leben Fragen an mein Leben stellt, und weil ich dich erst dann verstehen kann, so wie du geworden bist.“

Uns wird im Studium, im Handlungsfeld Beratung, immer wieder die Aufgabe gestellt zu reflektieren, wie wir uns selbst als Berater sehen, welche Haltung wir haben, welche Standpunkte wir vertreten. Als ich diesen Text las wurde mir klar, dass ich genau so ein Helfer sein möchte. Was ich schon länger irgendwie wusste, aber nicht so richtig in Worte fassen konnte, ist hier klar formuliert.
Jeder Mensch hat egal wie alt er ist, bereits Erfahrungen gemacht. Besonders schöne und/oder besonders schlimme Momente erlebt. Jeder von uns macht Fehler und schlägt ab und zu falsche Wege ein. Wir alle können voneinander lernen und wir alle profitieren davon, wenn wir uns gegenseitig in allen Facetten kennenlernen. Stattdessen erlebe ich immer öfter und immer heftiger wie sich Menschen einigeln und verschließen, wie sie ihre wahren Gefühle für sich behalten, aus Angst sich angreifbar zu machen, ausgelacht oder schief angeguckt zu werden. Aus Angst in Konfliktsituationen zu geraten. Und ich erlebe Menschen die daran verzweifeln, falsche Entscheidungen getroffen und Fehler gemacht zu haben. Die vom Schicksal gebeutelt und vom Leben und sich selbst enttäuscht sind, sich dafür schämen wie sie sind. Grade diese Menschen sind es, die ich am meisten schätze und mit denen ich mich gerne umgebe. Sie sind es, die ich brauche um mich nicht allein zu fühlen, die Probleme schon gelöst haben oder Strategien kennen für Herausforderungen denen ich mich selbst noch stellen muss. Sie besitzen so viel Empathie und Mitgefühl und Akzeptanz und genau das ist es, was unsere Welt braucht.
Wie kann man nur von Menschen erwarten niemals einen Fehler zu machen? Wie kann man nur von Menschen erwarten immer leistungsfähig zu sein und genau dies oder jenes lernen zu wollen um in ein bestimmtes Profil zu passen?
Jeder von uns ist wichtig, weil er Erfahrungen und Träume und Ängste hat die anders sind als deine oder meine. Jeder hat einen Lebenslauf, der dich oder mich zum Nachdenken bringen kann und uns dazu bringt zu reflektieren und vielleicht an uns zu arbeiten. Auf jeden Fall aber, fördert er unser Verständnis und unser Mitgefühl füreinander. Und damit ist schon unendlich viel gewonnen!
Wir sollten uns nicht verstecken, sondern sein wer wir sind und wie wir uns selber sehen. Wir sollten einander helfen echt sein zu dürfen und uns die Angst davor nehmen.
Du wirst gebraucht und du bist wichtig. Besser hätte ich es niemals sagen können.

Die kleinen Dinge

Es gibt so viele Gründe glücklich zu sein, so viele kleine Dinge die unser Herz erfreuen können. Das Problem ist, dass wir sie oft nicht wahrnehmen oder bewusst wertschätzen.
Grade wenn es uns schlecht geht, wenn wir gehetzt, gestresst und frustriert sind fehlt uns das Auge für unsere Umwelt.
Der Klang des Regens, der Geruch von Holz, Knospen, Blattadern, eine Ameisenstraße. Habt ihr euch Blatt- und Blütenknospen schon mal genau angesehen? Ich finde es immer wieder faszinierend was die Natur entstehen lässt. So exakt, so praktisch, so facettenreich und wunderschön. Ich weiß, ich weiß, das klingt jetzt super klischeehaft.

DSC_5657

Eine brennende Kerze lässt uns besonders leicht alles andere vergessen, es ist so einfach sich in der Flamme zu verlieren. Ein gefülltes Wasserglas ins Sonnenlicht gestellt. Der Geruch frisch gewaschener Wäsche, Zimmerpflanzen die durch liebevolle Pflege (oder auch aus Trotz) neue Triebe schieben.
Achtsamkeit ist meiner Meinung nach nicht nur ein hoch gelobter therapeutischer Ansatz, welcher immer mehr an Bedeutung gewinnt, sondern eins unserer Grundbedürfnisse. Es gab Zeiten da war sie überlebenswichtig und einfach selbstverständlich. Geräusche die auf wilde Tiere hinwiesen, Wetterverhältnisse, Hinweise auf Wasserquellen…
Die moderne Welt hat uns die Achtsamkeit abtrainiert. Getrieben vom Streben nach Effizienz und Existenzängsten verlieren wird die Fähigkeit, scheinbar unwichtige Details wahrzunehmen. Dabei sind sie doch so unglaublich wichtig. Weil sie uns erden und uns Glück schenken können, wenn wir bereit sind ihnen Bedeutung zu schenken.

Was sind eure kleinen großen Dinge des Lebens?